Debitkarteneinsatz im stationären Einkauf vor, während und nach dem Corona-Lockdown
Diese erste Woche des schrittweisen Ausstiegs aus dem Corona-Lockdown ist vorbei. Hinweise, wie stark unser Einkaufsverhalten in den letzten Wochen von Normalfall abgewichen ist, liefern die Transaktionszahlen von Debitkarten der Schweizer Banken. Geliefert werden die Daten vom Finanzdienstleister SIX BBS AG.
Die Grafik unten zeigt das finanzielle Gesamtvolumen der Einkäufe und Dienstleistungen, welche mit Debitkarten von Schweizer Banken (exkl. Postfinance) direkt am Ort des Konsums bezahlt wurden. Bargeldtransaktionen oder die Bezahlung via Kreditkarte sind also nicht berücksichtigt, ebenso wenig Distanzkäufe, etwa in einem Online-Shop oder via Telefonbestellung. Rückschlüsse auf die Konsumausgaben insgesamt sind somit nur unter starken Vorbehalten möglich. Weil jedoch davon auszugehen ist, dass es in der Bevölerkung unterschiedliche Präferenzen gibt bezüglich des verwendten Zahlungsmitels, gilt die Analyse nicht für die Gesamtbevölkerung. Am Schluss des Textes ist deshalb noch eine Grafik zu den Bargeldbezügen mit Debitkarten von Schweizer Banken.
Der Vorteil der analysierten Daten liegt darin, dass sie täglich vorliegen und anders als bei Bargeld, der Bezug und die Verwendung des Geldes zeitgleich passieren.
Die Grafik ist nach Wochentagen gegliedert, weil unser Einkaufsverhalten stark vom Wochenverlauf geprägt ist. Das wird vor allem deutlich, wenn man die Zeit vor dem Lockdown betrachtet («Prä-Lockdown»). Im Januar und im Februar waren die Ausgaben im stationären Einkauf samstags am höchsten, sonntags wenig überraschend am tiefsten und montags und freitags leicht höher als an den anderen Werktagen.
Ebenfalls zum Ausdruck kommt, dass die Leute nach dem klassischen Zahltag am 25. des Monats (bzw. am Freitag davor, wenn der 25. am Wochenende ist) grundsätzlich mehr konsumieren. Das ist an der diagonalen Parallelstruktur der Punkte während der Prä-Lockdown-Periode erkennbar. Die Ausgaben sind im Normalfall höher, je geringer der zeitliche Abstand zum vorhergegangenen Zahltag ist. Eine deutliche Abweichung von dieser Regel gibt es während des Prä-Lockdowns nur bei Fest- und Freitagen sowie an den Tagen davor und danach. Etwa am Valentinstag, der dieses Jahr an einem Freitag war, oder an den Tagen in der ersten Januarwoche. Falls Sie die Parallelstrukur deutlicher sehen wollen, können Sie in der Legende auf «Tage mit gleichem Zahltag verbinden» doppelklicken.
Anhand der Abweichung vom Muster der Parallelstruktur kann man grob bestimmen, ab wann die Corona-Krise das Einkaufsverhalten beeinflusst hat. So gibt es am Donnerstag, 12. März, also einen Tag, bevor der Bundesrat die Schliessung der Schulen ankündigte, eine erste auffällige Erhöhung der Ausgaben, die nicht dem Muster der Parallelstruktur folgt. Als eigentliche Hamsterkauftage können der Freitag, 13. März, und der Montag, 16. März, bezeichnet werden. An diesen Tagen lagen die Ausgaben im Vergleich zur Vorwoche am Freitag um 41.5 Mio. Fr. (+32%) und am Montag um 49.1 Mio. Fr. (+44%) höher. Am Samstag, 14. März, fällt die Erhöhung gegenüber der Vorwoche deutlich kleiner aus (8 Mio. Fr., +4.9%). Sie ist aber immer noch bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass die Ausgaben wegen der erwähnten Parallelstruktur eigentlich rückläufig sein müssten.
Bei der Analyse der Lockdown-Periode ist zu beachten, dass Ostern während dieser Zeit stattfanden. Die Tage vor Ostern sind deshalb blau eingefärbt. Die Osterfeiertage haben (wie alle anderen Feiertage) die Farbe Grün. Diese Differenzierung ist wichtig, weil an den Tagen vor Ostern der Konsum erhöht ist. An den eigentlichen Osterfeiertagen (Karfreitag und Ostermontag) liegen die Ausgaben dann in etwa auf dem Niveau eines Sonntags. Vergleicht man die Zahlen aus der Prä-Lockdown-Periode mit der Zeit des Lockdowns (ohne Ostern), liegen die durchschnittlichen Ausgaben werktags um 25.8 Mio. Fr., samstags um 58.9 Mio. Fr. und sonntags um 17.4 Mio. Fr. tiefer. Wo das «fehlende Geld» geblieben ist, zeigen die Debitkarten-Daten nicht. Weil zudem keine Vorjahresdaten zur Verfügung stehen, ist es nicht möglich zu sagen, wie hoch die Beträge in einem ‘normalen’ April gewesen wären.
An den ersten Tagen der Lockerungsphase (Montag, 27. April bis Donnerstag, 30. April) lagen die Ausgaben schon fast wieder auf dem Niveau der Prä-Lockdown Periode. Da unmittelbar vor der ersten Lockerungsphase Zahltag war, ist ein Teil des Anstiegs bei den Ausgaben wohl auch darauf zurückzuführen. Angesichts der Tatsache, dass weiterhin ein Grossteil der Geschäfte geschlossen ist, ist der Anstieg aber trotzdem eindrücklich und legt die These nahe, dass die Geschäfte die bereits öffnen durften, von einem Konsumstau profitiert haben. Am Freitag waren die Ausgaben auf Lockdowon-Niveau und am Samstag, zwar erhöht jedoch deutlich tiefer als einem normalen Samstag nach einem Zahltag. Wie sich die Zahlen in den nächsten Tagen entwickeln bleibt also spannend.
Datenquelle: Die Daten stammen von der SIX BBS AG. Weitere Informationen finden sich im Github-Repository (siehe Link unten).
Github-Repo: Link
Kontakt: Basil Schläpfer, Statistisches Amt Kanton Zürich,+41 43 259 75 39, basil.schlaepfer@statistik.ji.zh.ch